Projektdaten
Auftraggeber: Immobilien-Projektgesellschaft Calw GmbH
Gesamtgebiet: ca. 3,9 ha
Nettobauland: ca. 2,3 ha
Erschließungsfläche: ca. 0,9 ha
Öffentliche Grün- und Freiflächen: ca. 0,7 ha
Planungszeitraum: 2022 - heute
Bebauungsplanverfahren: 2023-2025
Bauleitplanung
Erschließung
Natur- und Artenschutz
Projektkonzeption
Städtebau
BodenmanagementBeschreibung
Das rund 3,5 Hektar große „Quartier Bauknecht“ in Calw‑Stammheim soll als bislang weitgehend brachliegendes ehemaliges Gewerbeareal einer neuen, zukunftsorientierten Nutzung zugeführt werden. Geplant ist die Entwicklung eines gemischt genutzten Urbanen Gebiets gemäß § 6a BauNVO mit Wohnbauland sowie sozialen und gewerblichen Nutzungen. Das Gelände war ursprünglich als Gewerbepark vorgesehen, wurde jedoch vor etwa 20 Jahren stillgelegt und liegt seither größtenteils ungenutzt.
Die Re2area begleitet den Prozess seit Beginn und unterstützt die Stadt bei der städtebaulichen Neuausrichtung hin zu einem modernen, nachhaltigen und vielfältigen Quartier, das die Entwicklung Calws sinnvoll ergänzt.
Der Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan QUARTIER BAUKNECHT wurde 2023 gestellt.
Als Voraussetzung für die Umsetzung wurde der Bebauungsplan im Dezember 2024 vom Gemeinderat zur Satzung beschlossen.

Das ehemalige Bauknecht-Areal, einst als Gewerbepark geplant und seit rund 20 Jahren weitgehend ungenutzt, wird zu einem modernen Urbanen Gebiet nach § 6a BauNVO entwickelt. Das neue Quartier kombiniert Gewerbe- und Wohnnutzungen in einer klaren Zonierung: Entlang der Tübinger Straße entstehen Hotel, Büroflächen und ein Kindergarten, während im rückwärtigen Bereich rund 227 Wohneinheiten realisiert werden.
Die Wohngebäude gruppieren sich um mehrere verkehrsfreie, terrassierte Wohnhöfe, die Aufenthaltsqualität, Grünflächen und Kleinkinderspielflächen bieten. Vier dieser Höfe bilden gemeinsam eine zentrale grüne Quartiersmitte als ruhigen Gegenpol zum umliegenden Gewerbe.
Eine besondere städtebauliche Herausforderung stellt der Lärmschutz im Norden dar: Hier werden Gebäude über verbindende Elemente und verglaste Balkone so gestaltet, dass sie geschützte Freibereiche und gleichzeitig eine attraktive Aussicht in die Landschaft ermöglichen.
Großzügige Abstände zu bestehenden Gewerbeflächen sowie zur südlichen Grundstücksgrenze schaffen Raum für Begrünung und hochwertige Orientierungen der Wohnungen – mit Ausblicken in gewachsene Vegetation, ins Quartiersgrün oder in die offene Landschaft.
Alle Gebäude erhalten begrünte Flachdächer; niedrigere Baukörper bieten zusätzliche gemeinschaftliche Dachflächen zur Förderung der Nachbarschaft. Die autoverkehrsfreien Wohnhöfe sowie die Gestaltung der Außenbereiche tragen maßgeblich zu hoher Aufenthaltsqualität, Sicherheit und gesundem Wohnen bei.
Verkehrserschließung
Das Quartier Bauknecht wird über die Bundesstraße B296 (Tübinger Straße) im Osten sowie über die Schützenstraße im Nordwesten verkehrlich angebunden. Das städtebauliche Konzept schafft eine neue, unabhängige Erschließungsstraße, die als öffentliche Verkehrsfläche ausgewiesen und später der Stadt Calw übergeben wird.
Die Anbindung an die B296 wurde in Abstimmung mit den zuständigen Behörden geplant. Auf Basis eines Verkehrsgutachtens wird die Vorzugsvariante weiterverfolgt, bei der die bestehende Kreuzung in zwei versetzte Einmündungen umgestaltet und ein Linksabbieger mit 20 m Aufstelllänge ergänzt wird. Zudem werden Gehwege verbreitert und die Bushaltestelle in Fahrtrichtung Stammheim barrierefrei ausgebaut. Höhenunterschiede zwischen Quartier und Bundesstraße werden durch Geländeabfangungen konstruktiv gelöst. Von der Schützenstraße aus erfolgt die Erschließung über eine an die Topografie angepasste Rampe mit Längsneigungen von 10–12 %. Die dafür erforderlichen Geländeanpassungen umfassen den Abtrag der bestehenden Böschung.
Entwässerung
Für das Quartier Bauknecht wird das Schmutz- und Niederschlagswasser konsequent getrennt abgeführt. Das häusliche Schmutzwasser wird über vier Anschlussstellen in den geplanten öffentlichen Schmutzwasserkanal geleitet.
Das Niederschlagswasser aus Grünflächen, Straßen und öffentlichen Parkbereichen wird über Regenwasserkanäle DN 300/400 gesammelt. Für eine kontrollierte Ableitung kommen Retentionsmulden sowie Mulden- und Baumrigolen-Systeme zum Einsatz, die das Wasser zwischenspeichern und gedrosselt in Richtung Schützenstraße abführen. Dort erfolgt der Anschluss an die bestehende Kanalisation.
Ziel ist ein nachhaltiger Rückhalt des Regenwassers mit kontrollierter, entlastender Einleitung in die bestehende Infrastruktur.
Für das Projekt wurde eine zweistufige artenschutzfachliche Prüfung durchgeführt – bestehend aus einer Habitatpotenzialanalyse (HPA) und einer speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (saP). Auf Basis der Ergebnisse wurden gezielte Maßnahmen umgesetzt, darunter zeitliche Einschränkungen für Fäll‑ und Rodungsarbeiten sowie die Installation von Nisthilfen und Fledermausquartieren.
Durch die Umwandlung ehemaliger Gewerbeflächen in Wohnnutzung und die damit verbundene umfangreiche Entsiegelung konnte das Gebiet ökologisch deutlich aufgewertet werden. Dabei wurden wertvolle Ökopunkte für die Schutzgüter Boden sowie Arten & Biotope generiert, die der Stadt Calw nun für weitere Projekte – etwa die Radwegeplanung Holzbronn–Stammheim – zur Verfügung stehen.
